Als wir am 19. Februar 2004 die Diagnose bekamen, dass Tim, unser kleines Baby einen Tumor in seiner Halswirbelsaeule hat, blieb fuer uns die Welt stehen. Nichts war mehr wichtig. In Sekunden breitete sich eine grosse Verzweiflung aus. Die Verzweiflung stand uns auch ins Gesicht geschrieben. Die grosse Angst um unser 1 Jahr altes Baby, um unseren kleinen Tim, schien unueberwindbar. Schnell stand fest, Tim musste operiert werden. Dieser Tumor drueckte auf das Rueckenmark. An der Stelle, wo die Atmung und die gesamte Bewegung gesteuert wird. Es wuerde nicht lange dauern, dann wuerde Tim nicht mehr atmen koennen. Es ging Tim von Tag zu Tag schlechter. Er bekam innerhalb weniger Tage unertraegliche Schmerzen. Es war einfach grauenhaft. Ich werde diese Tage in meinem Leben nie vergessen. Ich war beherrscht von der Verzweiflung und der Sorge um mein Baby.

 

Bei einem kurzen Besuch zu Hause fand ich dann ein Gebet, was ich mit in die Klinik nahm. Das betete ich dann

unentwegt mit Tim.  

 

Gott segne und behuete dich

Der Segen Gottes moege dich begleiten,

er, der dich ueberall und zu jeder Zeit

sieht und hoert, moege dich beschuetzen,

er wende Sorgen und Not von dir ab

und umgebe dich mit seinem Frieden.

 

Gott segne und behuete dich,

er lasse sein Licht leuchten ueber dir

und mache dich heil.

 

In Weinen und Lachen,

in Freude und Schmerz

segne dich Gott, der Herr.

 

 

Dieses Gebet habe ich noch oft mit Tim gebetet. Auch nach dieser schwierigen Operation.

 

Vor der Operation ist noch etwas entscheidendes passiert.

 

Ich ging etwa zwei Tage vorher in die Elisabethkirche. Dort gibt es eine Niesche, wo man in Ruhe beten kann. Ich kniete mich hin und bat Gott um Hilfe. Da entdeckte ich ein Gebetsblatt. Dort war ein Gebet fuer kranke Menschen aufgeschrieben. Am Ende des Gebetes stand: Ich lege das Leben von diesem Menschen in Gottes Haende. Das war ein ganz entscheidender Satz. Ich wusste was ich zu tun hatte. Ich wollte Tim in Gottes Haende geben. Nicht mein Wille war entscheidend, sondern Gottes Wille! Mir wurde bewusst, dass Tim mir nicht gehoert. Das ich Gott vertrauen musste. Das Gott einen Weg fuer uns und auch fuer Tim bereitet hat. Ich wollte mich, Tim und unsere ganze Familie Gott anvertrauen.

Als ich von diesem Besuch aus der Kirche in die Klinik zurueck kam, war etwas passiert. Ich hatte das Gefuehl, die Verzweiflung hatte keine Macht mehr ueber mich. Die Angst um Tim war weiterhin da, aber ich wusste, dass wir es nicht alleine schaffen muessen. Dass Gott mit uns geht und das er das letzte Wort hat.

 

Die Operation ist wirklich gut verlaufen. Tim war schnell wieder fit und es schien ein guter Weg zu sein auf dem wir waren. Nach drei Wochen bekamen wir dann die niederschmetternde Nachricht: Das Gewebe was herausoperiert wurde und zu Teil auch noch in Tims Hals sass war hochgradig boesartig. Das war ein Schock! Nun war klar, er brauchte Chemotherapie. Es war eine lange und harte Therapie. Hochdosis  Chemotherapie nennt man so etwas. Und das bei einem kleinen Koerper, der gerade mal 14 Monate alt ist. Einfach unvorstellbar und grausam. Und doch geschah das Wunder: 

Der Tumor wurde kleiner und verschwand sogar ganz. Aber er setzte sich an einer neuen Stelle ab. Ende August ging es Tim sehr gut. Er lernte laufen und sprechen und war ein kleiner Bengel geworden. Wir hatten unsere Freude an ihm und wogen uns ein wenig in Sicherheit. Aber dann kam die Wende. Man fand grosses Tumorgewebe in Tims Kopf. Es waren drei Wallnussgrosse Stellen. Nach drei Tagen dachte man das erste Mal, dass Tim nun sterben wuerde. Es ging ihm so schlecht, dass die Aerzte uns auf das schlimmste fuer die Nacht vorbereiteten. Aber Tim wollte noch bei uns bleiben. Er kaempfte um jeden Tag. Er blieb noch fasst vier Monate bei uns. In dieser schweren Zeit, wurden wir besonders von dem Frieden Gottes getragen. In Tims Krankenzimmer war Gottes Naehe jeden Tag spuerbar. Nicht die Krankheit und die Todesangst hatte die Herrschaft, sondern Gottes Liebe und Geborgenheit.

 

Tims Taufspruch:  

 

Der Herr behuete dich vor allem Uebel,

 

er behuete deine Seele.

 

               Der Herr behuete deinen Ausgang und Eingang

 

               von nun an bis in Ewigkeit.

     

                                Psalm 121 Vers 7+8

 

Wenn man Tims Taufspruch liest, dann koennte man sagen:

 

Wo war Gott denn? Warum hat er Tim nicht vor all dem schrecklichen bewahrt.

 

Ja, diese Frage stelle ich mir auch. Aber ich habe begriffen, dass Gott nicht immer mit Bewahrung meint, dass der Mensch nicht krank werden und sterben darf. Sondern das er unsere Seele bewahren will.

Gott hat in all dem Leid Tims Seele bewahrt. Seine Seele war behuetet.

 

 

Ich habe in dieser Zeit oft ueber die Zeit nachgedacht, die jeder Mensch hier auf der Welt hat. Ich habe darueber nachgedacht, wie entscheidend es wohl ist, wie viel Zeit man hat. Was Zeit eigentlich ist und was man daraus macht. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen und damit stehe ich nicht alleine. Es ist nicht entscheidend, wie viele Jahre man hier auf der Erde lebt. Es ist vielmehr von Bedeutung, was in dieser Zeit geschieht. Ich denke, Tim hat hier bei uns mehr bewirkt, als manch ein Mensch in einem langen Leben. Er hat viel Menschen auf einen guten und neuen Weg gebracht.

 

Am 3. Januar entschlossen wir uns, Tim nach Hause zu holen. Im Krankenhaus konnten sie nichts mehr fuer ihn tun.

Wir wollten ihn noch eine letzte Zeit zu Hause in unserer Mitte haben.

Am 13. Januar wurde er 2. Jahre alt.

Am 15. Januar 2005 schlief er in der Mitte unserer kleinen Familie ein. Dieser Moment war so friedlich. Wir beteten mit ihm und hielten ihn und konnten ihn gehen lassen. Das undenkbare war moeglich. Wir waren bereit ihn gehen zu lassen. Im Vertrauen auf Gottes Liebe, liessen wir ihn los. Die Zeit seiner Krankheit wurde getragen von Gottes Anwesenheit. Alle die uns in dieser Zeit besuchten oder uns begleiteten haben dieses Zeugnis gegeben.

Der Friede Gottes hat uns getragen.

 

Ich bin unsagbar traurig, dass Tim sterben musste. Ich vermisse ihn heute noch genauso wie vor einem Jahr.

Mein Glaube an Gott macht nicht automatisch meine Traurigkeit kleiner. Und doch kann ich darauf vertrauen, dass es ihm gut geht und dass ich ihn wiedersehe in der Ewigkeit.

 

Ich wuerde diese Zeit mit Tim nie eintauschen wollen. Wuerde mich immer wieder fuer ihn entscheiden. Auch wenn ich heute so unsagbar traurig bin ueber seinen Tod. Auch wenn mein Leben dadurch oft schwieriger geworden ist, so gehoert dieses Erlebnis zu mir und ist ein Teil von mir. Wir konnten Tim nur so haben.

Es war sein Lebensweg und den sind wir mit ihm gegangen.

 

Wir sind dankbar fuer die Zeit mit ihm

und behalten Tim in unseren Herzen.

 

 

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