Der Segen der Trauernden

 

 


Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich fuer jeden,
der mir einmal zulaechelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fuehle.

Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle,
die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich moechte meine Erinnerungen
nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann,
was mich bewegt.

Gesegnet seien alle,
die mir zuhoeren,
auch wenn das,
was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle,
die mich nicht aendern wollen.
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle,
die mich troesten
und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.

Oh Herr, birg Du uns alle
in Deiner Hand;
nimm Du Dich unserer an.
Bei Dir bleiben wir -
ganz gleich, ob wir noch leben
oder gestorben sind.

Kleve im Dezember 1986
Marie - Luise Woelfing

 

 

 

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,

lass doch deine Treue mich erreiche.

In den Naechten, da der Glaube weicht,

lass nicht deine Gnade von mir weichen.

 

Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,

wenn zum Beten die Gedanken schwinden,

wenn die Finsternis mich kalt umweht,

wolltest du in meiner Not mich finden.

 

Wenn die Seele wie ein irres Licht

Flackert zwischen Werden und Vergehen,

wenn des Geistes Kraft zerbricht,

wolltest du an meinem Lager stehen.

 

Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,

nimm die meine doch in deine Haende!

Nimm dich meiner Seele gnaedig an!

Fuehre mich zu einem guten Ende.

 

Justus Delbrueck

 

 

 

 

Manchmal 

 

 Manchmal kommen alte Bilder,

obwohl du sie nicht gerufen hast.
Dann kehrt wieder Traurigkeit in dein Herz zurueck,
und in dieser Traurigkeit,

obwohl sie dich belastet,
befindet sich Waerme,
die dich mit dem Verstorbenen verbindet

und du fuehlst dich ihm ganz nahe.

Manchmal spuerst du neben dieser Traurigkeit

Sehnsucht nach diesem Menschen
Und das beschwert das Herz.
Dann tauchen immer wieder die Fragen auf,
Warum? Wie? Wieso?
und du holst die Bilder hervor,
gehst immer wieder

die Vergangenheit in Gedanken durch,
warum gerade mir?

Manchmal kommen Tage,

da bist du abgelenkt und denkst nicht mehr daran
was geschehen war, fuehlst dich ein wenig freier und erschrickst dich.

Manchmal kommt ein schlechtes Gewissen,

dass es kurze Zeiten der beginnenden Freude gibt.
Darfst du das schon ?

Manchmal begreifst du,

dass es ein Wandel in dir ist.
Langsam spuerst du, die Seele vergisst nicht,
Die Gedanken haben alles genau aufgezeichnet.
Aber das beginnende Wohlfuehlen geschieht mit dem Einverstaendnis des Verlorenen;


Langsam darfst du lernen,

ohne das Verlorene zu Leben.

Manchmal
Und immer oefter kommt die Zeit,

da blickst du in Dankbarkeit auf die Zeit eures
Zusammenlebens zurueck
und manchmal ahnst du :
eines Tages wirst du mit dem Verlorenen verbunden sein ,
und mit allen, mit denen dich Liebe verband.

Sybille Jatzko

 

 

Die Liebe zaehlt

 

Wenn alles zerbricht, die Freude,

unsere Traeume, das gemeinsame Leben....

 

Dann zaehlt das, was wirklich wichtig war:

Die Liebe, die wir einander schenkten.

Das Glueck, das wir durch die Menschen

erfahren durften, die wir liebten,

macht den wahren Reichtum unseres Lebens aus.


Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es dir sein,
als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne haben,
die lachen koennen! ...

Und wenn du dich getroest hast ...,
wirst du froh sein,
mich gekannt zu haben.

(Antoine de Saint-Exupery)

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