Die Klinik

 

Als wir von Tims Tumor erfahren haben, wurden wir sofort auf eine andere Station verlegt. Es war die Tumor- und Krebsstation. Das Gefuehl das wir dabei hatten, kann ich hier nicht in Worte fassen. Aber die Herzlichkeit, mit der wir dort aufgenommen wurden, moechte ich hier einmal versuchen zu beschreiben. Es kamen zwei Krankenschwestern, um uns von der einen zur anderen Station zu begleiten. Tim lag ja in seinem Bettchen, noch etwas benebelt von der Narkose, die er bekommen hatte, damit er bei der Untersuchung (MRT) liegen blieb.

Auf der neuen Station waren alle Menschen sehr liebevoll. Die Krankenschwestern, die Aerzte und auch die anderen Eltern. Ich wuerde es vergleichen, mit einer gut funktionierenden Wohngemeinschaft. Ich hatte das Gefuehl alle verfolgen das gleiche Ziel...

Wie man sich vorstellen kann, war ich sehr zerstoert an diesem Nachmittag und Abend. Tim hatte noch einige Untersuchungen zu durchlaufen und wir hatten noch mehrere Gespraeche mit verschiedenen Aerzten. Aber rueckblickend kann ich nur sagen, alles war sehr darauf bedacht uns nicht zu sehr zu veraengstigen. Es wurde nur das erledigt, was an diesem Tag unumganglich und wichtig war, um Tim nicht zu gefaerden. An diesem Nachmittag kam eine der Krankenschwestern in unser Zimmer und brachte mir ein paar, von den anderen Eltern selbst gemachte, Schokogrossis. Es ist mir noch genau in Erinnerung. Es war so liebevoll und umsorgend. Denn ich habe in den ersten Tagen, als wir von Tims Tumor wussten, das Gefuehl entwickelt, dass ich nicht essen kann.

Es kam mir wie ein Verrat vor, normal weiter zu essen,

obwohl Tim so krank ist. Da kamen diese Suessigkeiten gerade richtig.

Denn die konnte ich dann trotzdem essen. Warum weiß ich auch nicht.

Aus diesem einen Tag wurden dann ja 11 Monate. Und auch hier moechte ich einmal sagen, dass diese Zeit, die wir auf dieser Station mit Tim verbringen mussten, eine Zeit ist, die ich in mein Herz geschlossen habe. Natuerlich war es eine schwere Zeit. Niemand ist gerne im Krankenhaus. Auch wir wollten immer lieber nach Hause, als dort im Krankenhaus zu bleiben. Es gab Zeiten, wenn Tim 4 Wochen am Stueck im Krankenhaus gewesen war, da war das nach Hause gehen, so wichtig, wie die Luft zum atmen. Wenn es dann klar war, dass Tim nach Hause durfte, konnten wir es gar nicht abwarten, endlich entlassen zu werden. Oder wenn er einmal tagsueber nach Hause durfte und noch etwas zu klaeren war, wollten wir natuerlich alles lieber sofort als in einer Stunde. Es war dann, wie wenn man lange nichts getrunken hat und nun steht eine Flasche Wasser vor einem und man darf sie noch nicht aufmachen.

Aber gerade in den letzten 4 Monaten, haben wir uns auf der Station wie zu Hause gefuehlt. Ich hatte mal ein Gespraech mit einer Krankenschwester und sagte: 

Manchmal bin ich Mittags noch im Schlafanzug, aber das ist mir egal. Ich fuehle mich, als wenn die Menschen die hier herein kommen, zu uns nach Hause kommen.?

Da sagte sie: Ja, ein Einzimmer Apartment.

Ja, ich glaube so war es.

Heute denke ich manchmal, ich wuerde gerne noch einmal im Schlafanzug auf die Station gehen. Als ich das damals machte, kam es mir manchmal komisch vor. Aber es war mir egal. Ich habe es so gemacht, weil es am einfachsten war. Heute denke ich manchmal daran zurueck

und vermisse es sogar ein wenig.

 

Was mir auch sehr wichtig geworden ist, sind die guten Gespraeche mit den Aerzten. Es hat fuer mich eine ganz besondere Bedeutung. Ich habe erfahren, dass es selbst in einer Universitaetsklinik viel Interesse am Menschen und menschliche Naehe geben kann. Sie haben zu Tim und uns als Familie eine Beziehung aufgebaut. Wenn man bedenkt, dass eine Beziehung zu einem Patienten auf einer solchen Station auch mit dem Tod enden kann, finde ich es besonders mutig. Mutig eine Beziehung zum Patienten, aber auch zu uns als Eltern, einzugehen. Denn jetzt wo Tim gestorben ist, bleibt ja die Beziehung zu uns Eltern und es ist auch hier kein Endpunkt sondern vielleicht ein Neuanfang. Ich moechte mich an dieser Stelle hierfuer besonders bedanken! Auch im Namen meines Mannes und im Namen von Jan und Lisa-Marie. Und ich glaube, dass ich es auch aussprechen kann im Namen von Tim!

 

Danke fuer die menschliche Zuwendungen,

fuer die besondere Umsorgung und die ZEIT!

 

 

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